Kaplan Dr. Josef Spindelböck, Ybbs an der Donau

Predigt am Christkönigssonntag
(22. November 1998)

L 1: 2 Sam 5,1-3; L 2: Kol 1,12-20; Ev: Lk 23,35-43

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Worin besteht das Wesentliche, der Hauptinhalt des christlichen Glaubens? Ist es die Nächstenliebe oder ganz unverbindlich der Appell: "Seid nett zueinander"? Was steht im Mittelpunkt? Der heutige Festtag "Christkönig" lehrt uns, daß die Frage anders lauten muß: Wer steht im Mittelpunkt unseres christlichen Glaubens? Und die Antwort ergibt sich fast von selber: Es ist Jesus Christus, der Herr und Erlöser, an den wir glauben und der als König herrscht und einst kommen wird in Herrlichkeit!

So soll uns dieser heutige Tag wieder hinführen zum entschiedenen, freudigen Glaubensbekenntnis, zu Christus als unserem König und Gott. In der Geschichte des christlichen Glaubens haben die Menschen daraus immer wieder Kraft gewonnen, gerade in schwierigen Zeiten. Als die Christen durch heidnische römische Kaiser verfolgt wurden, da gab ihnen der Gedanke Trost und Hoffnung: Unser König ist Christus. Er lebt und herrscht seit Ewigkeit. Er hat sich uns geoffenbart in seiner Menschwerdung. Er hat den Sieg über den Tod davongetragen durch sein Sterben am Kreuz. In seiner Auferstehung und Himmelfahrt hat er auch uns Hoffnung geschenkt für das ewige Leben bei Gott. Dieser Glaube stärkte die Menschen, er gab ihnen Kraft, den blutigen Verfolgungen zu widerstehen. Auch in der unmittelbaren Vergangenheit, vor 50 Jahren in der Zeit des Nationalsozialismus, gab es in unserem Land Menschen, die ganz klar erkannten: Nicht ein irdischer Mensch darf unser "Führer" zum Heil sein, sondern einzig der menschgewordene Sohn Gottes, Jesus Christus. Er ist unser Heilbringer und Erlöser.

Fragen wir uns heute also ganz bewußt: Woran glaube ich? Auf was oder besser: auf wen setze ich meine Hoffnung in guten wie in bösen Tagen? Sind wir nur von unserer eigenen Stärke überzeugt oder glauben wir an jemanden, der uns endgültig rettet? Ist dieser Jemand der lebendige Gott oder gibt es für uns Stars und Idole, die seine Stelle einnehmen? Lebe ich wirklich aus dem Glauben an den lebendigen Gott?

Gerade die Jugend der Kirche ist heute angesprochen. Worauf, liebe junge Freunde, wollt Ihr Eure Zukunft bauen? Auf Geld, Macht und Besitz, auf das Versprechen vergänglicher Ehre und auf menschliches Ansehen, auf Lust und Karriere – oder: auf Gottes Wort, das lebt und das bleibt, das Euch zwar kein bequemes Leben verspricht, aber doch ein sinnvolles und erfülltes und das Euch Kraft verheißt in den Entscheidungen Eures Lebens, auf Jesus Christus, der Euer persönlicher Freund und Begleiter sein möchte in allen Stunden des Lebens.

Habt den Mut, dieses Ja zu Christus heute erneut zu bekennen! Haben wir alle Mut, unser Taufversprechen zu erneuern und daraus zu leben. Wir widersagen dem Bösen, und wir wenden uns dem lebendigen Gott zu, der uns rettet und das ewige Leben verheißt. Wenn wir diesen Glauben an Gott bekennen, dann lassen wir Christus König sein in unseren Herzen. Wenn Christus in uns herrscht, sind wir wahrhaft frei. Dann herrschen wir mit ihm, da wir frei sind von der Sünde und von allem Bösen und für die Wahrheit leben.

Die Heiligen des Himmels, allen voran die allerseligste Jungfrau und Gottesmutter Maria, herrschen bereits mit Christus. Auch für uns hat Jesus die Verherrlichung versprochen, wenn wir uns an sein Wort halten. Er ist treu, er kann sich selbst nicht verleugnen. Wie er am Kreuz dem reuigen Verbrecher das Himmelreich versprochen hat, so setzt er sich auch für uns bei seinem himmlischen Vater ein. Seien wir bereit, uns auf Erden zu ihm zu bekennen, dann wird er bei seiner Wiederkunft in Herrlichkeit sich zu uns bekennen und uns heimholen in sein himmlisches Reich! Amen.
 


SANKT JOSEF - www.stjosef.at