Kaplan Dr. Josef Spindelböck, Ybbs an der Donau

Predigt am Hochfest der
Erscheinung des Herrn (Dreikönig)
6. Januar 1998 (C)

L 1: Jes 60,1-6; L 2: Eph 3,2-3a.5-6; Ev: Mt 2,1-12

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Das heutige Hochfest der "Erscheinung des Herrn" stellt gewissermaßen einen Höhepunkt des Weihnachtsfestkreises dar. Die Herrlichkeit des Messias, der uns erschienen ist, offenbart sich den Völkern.

Es sind Weise aus dem Morgenland, die von der Tradition als die "heiligen drei Könige" bezeichnet werden, die aufgrund eines geheimnisvollen Zeichens am Himmel zum neugeborenen König der Juden nach Bethlehem geführt werden. Mit reichen Gaben kommen sie zum Kind in der Krippe, das arm vor ihnen liegt: Gold, Weihrauch und Myrrhe bringen sie dem Erlöser der Menschen.

Doch wie sie niederfallen vor dem Kind und ihm huldigen, da erkennen die Weisen: Eigentlich sind sie selber die Beschenkten. Vor ihnen liegt ein Kind, dessen Größe alle Herrlichkeit irdischer Macht bei weitem überstrahlt. Noch ist der Welt nicht offenbar geworden, welch großen Erlöser sie gefunden hat. Doch das Auge des Glaubens erkennt es bereits: Vor ihnen liegt der lange erwartete Erlöser der Menschen, der König, dem alle Ehre gebührt und der es nicht nötig hat, sich mit irdischen Machtzeichen zu schmücken.

Es ist kein Zufall, daß schon am Anfang des irdischen Lebens Jesu Menschen aus den Heidenvölkern zum neugeborenen Messias kommen. Jesus ist ja nicht nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt, sondern er ist gekommen, um alle Menschen im Haus seines himmlischen Vaters zu sammeln und zu einen! Alle Völker der Erde sind zum Heil berufen, das Jesus Christus gebracht hat.

Der Apostel Paulus schreibt, daß die Heiden Miterben sind und an derselben Verheißung in Christus Jesus teilhaben wie die Juden. Jesus Christus ist wirklich der Erlöser aller Menschen. Und er ist der einzige, in dem wir das Heil finden können. Nur er ist der ewige und wesensgleiche Sohn Gottes. Er hat uns im Heiligen Geist den Vater geoffenbart in seiner alles umfassenden Liebe.

Am heutigen Hochfest steht darum auch der Missionsgedanke im Vordergrund: Die Kirche ist gesandt zu allen Völkern, um ihnen das Evangelium von der Liebe Gottes zu verkünden. Die Sternsinger, die in diesen Tagen unterwegs sind, geben davon Zeugnis. Mit unseren Spenden unterstützen wir die Mission.

Denn wer ein großes Geschenk empfangen hat, dessen Herz ist übervoll. Er möchte seine Freude mit anderen teilen. So geht es uns mit dem Glauben an Jesus Christus. Es ist nicht unsere Leistung oder unser Verdienst, daß wir an den menschgewordenen Sohn Gottes glauben dürfen. Es ist ein Geschenk der Gnade des allmächtigen Gottes. Doch unsere Aufgabe ist es, von dieser erfahrenen Liebe Gottes Zeugnis abzulegen und die frohe Botschaft weiterzusagen. Es ist nicht gleichgültig, an wen und was jemand glaubt. Der Mensch hungert nach der Wahrheit, die uns Christus gebracht hat!

Die Weisen aus dem Morgenland sind das Vorbild für alle gottsuchenden Menschen. Wie viele Mühen und Strapazen haben sie auf sich genommen, um durch die Leitung des Sterns zu Jesus als dem "Licht der Völker" zu gelangen! Alte Sicherheiten mußten sie aufgeben, vieles zurücklassen. Doch ihr Vertrauen war größer als alle Angst und Unsicherheit. Sie ließen sich durch ihren Reichtum nicht blenden und davon abhalten, die Wahrheit zu suchen. Ganz anders die Schriftgelehrten in Jerusalem: Aus der Bibel wußten sie zwar, daß der Messias in Bethlehem geboren werden sollte. Aber keiner von ihnen ging hin, um das neugeborene Kind zu suchen und es anzubeten! Manchmal sind Menschen, die wenig von Glaube und Kirche mitbekommen haben, aber ehrlichen Herzens Gott suchen, Christus näher als solche, die eigentlich alles empfangen haben, aber das Geschenk des Glaubens nicht schätzen und danach zu leben versuchen.

Für uns persönlich soll der heutige Festtag darum ein Anlaß sein, die Liebe Gottes neu zu bedenken und dafür zu danken. Es ist wirklich Großes, was uns Gott in seiner Liebe geschenkt und bereitet hat. Werfen wir uns in Demut nieder vor dem göttlichen Kind und beten wir es an wie die Weisen aus dem Morgenland! Wir werden reich beschenkt von der Krippe weggehen und den Frieden Christi zu allen Menschen bringen können. Amen.



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