Dr. Josef Spindelböck

Predigt am Vorabend des Hochfestes
des Leibes und Blutes Christi

Fronleichnam, 13./14. Juni 2000, Lesejahr C

L 1: Gen 14,18-20; L 2: 1 Kor 11,23-26; Ev: Lk 9,11b-17

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Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

Am Vorabend des Fronleichnamsfestes, dem 13. Juni 2001, sind wir zur Fatimafeier in der Wallfahrtskirche Maria Jeutendorf versammelt. Das gläubige Herz weiß, daß die Vereinigung mit Maria, der Mutter des Herrn, und ihre Verehrung kein Hindernis darstellt für die Anbetung Jesu Christi, des Sohnes Gottes, der Mensch geworden ist aus der Jungfrau Maria. Im Gegenteil: Maria führt uns hin zu ihrem Sohn Jesus Christus. So hoffen wir, uns durch diese abendliche Feier gut vorzubereiten für das Hochfest des Leibes und Blutes Christi, das wir morgen feiern!

Ganz im Zentrum des Heiligen Jahres 2000 stand das Geheimnis des Heiligsten Eucharistie. Der Heilige Vater, Papst Johannes Paul II., hat wiederholt darauf hingewiesen, daß für uns Christen der nach der Wandlung unter den Gestalten des Brotes und Weines gegenwärtige eucharistische Herr der einzig wahre Mittelpunkt des Lebens sein kann. Jesus Christus ist der einzige Erlöser der Menschen, und er ist derselbe, gestern, heute und in Ewigkeit (vgl. Hebr 13,8)! In diesem Zusammenhang fand vom 18.-25. Juni 2000 ein eucharistischer Kongreß in Rom statt. Im Apostolischen Schreiben „Novo Millennio Ineunte“ weist der Papst besonders hin auf die Notwendigkeit der sonntäglichen Teilnahme an der Heiligen Messe. Er schreibt, daß „die Teilnahme an der Eucharistie für jeden Getauften wirklich das Herz des Sonntags“ ist. Und weiter: „Dies ist ein unverzichtbarer Anspruch, den man nicht nur erfüllt, um einer Pflicht nachzukommen, sondern weil er für ein wahrhaft bewußtes und stimmiges christliches Leben notwendig ist.“ (Nr. 36)

Was aber hat die Gottesmutter Maria damit zu tun? Sehr viel! Sie ist es ja, die dem Sohn Gottes eine menschliche Mutter sein durfte. Aus ihr empfing unser Herr durch die jungfräuliche Empfängnis im Heiligen Geist die Menschennatur, aus ihr wurde er geboren. Weil das ewige Wort Gottes ein wahrer Mensch sein wollte, darum nahm er Fleisch an aus der Jungfrau Maria! An eben diesen wahren Gott und Menschen glauben wir, wenn wir bekennen: Jesus Christus ist gegenwärtig im Allerheiligsten Sakrament des Altares mit Gottheit und Menschheit, mit Leib und Seele, mit Fleisch und Blut! Ja, wir dürfen sogar sagen: „Wahrer Leib sei uns gegrüßt, den Maria uns gebar!“ Genau so besingt es der Hymnus des „Ave verum corpus natum de Maria virgine“.

Jesus hat unter uns gelebt als Mensch wie wir, in allem uns gleich außer der Sünde, er nahm freiwillig das Leiden und Sterben am Kreuz auf sich und ist am dritten Tag von den Toten erstanden. In seiner unendlichen Liebe hat er uns den Heiligen Geist gesandt, der die Kirche belebt, durchwaltet und regiert. Und vor allem: Er hat sich uns selbst als wahre Speise für unser göttliches Leben hinterlassen, indem er noch vor seinem Leiden und Sterben das Sakrament seines Leibes und Blutes eingesetzt hat. Es ist das Gedächtnis des Herrn, das wir feiern, wenn in jeder Heiligen Messe das Opfergeschehen von Golgota, nämlich Jesu Tod und Auferstehung gegenwärtig gesetzt werden. Das Erlösungsopfer soll allen Menschen zuteil werden, und diese Zuwendung geschieht hauptsächlich durch die heilige Messe als Quelle und Höhepunkt des christlichen Lebens (vgl. SC 10). Auch die übrigen Sakramente beziehen aus diesem Opfer ihre ganze heilbringende Kraft. Es ist darum nur recht und billig, wenn wir mit Liebe an der Heiligen Messe teilnehmen, wo immer möglich auch an Werktagen. Es gehört zum Ausdruck unserer Ehrfurcht und Anbetung, wenn wir den heiligen Leib des Herrn am Fronleichnamsfest in feierlicher Prozession durch unsere Städte und Ortschaften tragen. Es ist wichtig, daß wir mit Liebe und Vertrauen hinzutreten zum Tisch des Herrn, wenn wir den Leib Christi empfangen, und daß wir uns vorher prüfen, ob wir den Leib des Herrn von gewöhnlicher Speise unterscheiden und in rechter Gesinnung, frei von schwerer Sünde, dieses Sakrament empfangen!

Neun Monate lang trug Maria das Jesuskind unter ihrem Herzen. Auf diese Weise war sie in ständiger „Kommunion“ mit ihrem Sohn, dem Erlöser und Heiland, verbunden. Auch später riß diese Verbindung nie ab, sondern sie war ihm als Mutter die treueste Gefährtin bei seinem Erlösungswerk. Sogar unter dem Kreuz stand sie und harrte aus in tapferem Glauben, indem sie sich mit seinem Erlösungsopfer vereinte und auch in ihrem Herzen die Hingabe Jesu an den Vater mit vollzog. Ist es da nicht naheliegend, daß wir darauf vertrauen, daß die schmerzhafte Gottesmutter Maria bei jeder Feier der Heiligen Messe anwesend ist und unsere Opfergesinnung hinlenkt auf ihren Sohn, unseren Herrn Jesus Christus, mit dessen liebender Hingabe an den Vater wir uns im Heiligen Geist vereinen sollen? Es gibt wohl nichts Besseres und Fruchtbareres für unser geistliches Leben, wenn wir uns in der Gesinnung kindlichen Vertrauens von unserer himmlischen Mutter gleichsam an der Hand nehmen lassen und auf diese Weise das Opfer Jesu Christi in der Heiligen Eucharistie mitfeiern!

Am 13. jedes Monats von Mai bis Oktober begehen wir hier in Maria Jeutendorf die Fatimafeier. In Fatima ging den Erscheinungen der Gottesmutter Maria an die drei Seherkinder eine mehrfache Begegnung mit dem Engel des Friedens voraus. Dieser lehrte die Kinder beten und führte sie hin zum Geheimnis der heiligsten Eucharistie. Ein einfaches, aber sehr tiefes Gebet dieses Engels lautet folgendermaßen: „O mein Gott, ich glaube an dich, ich bete dich an, ich hoffe auf dich, und ich liebe dich. Ich bitte dich um Verzeihung für jene, die nicht glauben, die nicht anbeten, die nicht hoffen und die dich nicht lieben.“ Hier wird das Wesentliche des christlichen Lebens zusammengefaßt, nämlich Glaube, Hoffnung und Liebe. Zugleich ist der Gedanke der Stellvertretung eingeschlossen: Wir sollen beten für all jene, die nicht an Gott glauben, ihn nicht anbeten, nicht auf ihn hoffen und ihn nicht lieben. Denn Jesus Christus ist für alle Menschen am Kreuz gestorben, um sie von ihren Sünden zu erlösen. Wir tragen füreinander Verantwortung. Dies soll auch der Grundgedanke unserer Mitfeier der heiligen Messe sein. Wir beten in der Gemeinschaft der Kirche für alle Menschen, die wir der Barmherzigkeit Gottes anvertrauen.

Noch ein besonderes Anliegen wollen wir unserem Herrn Jesus Christus vortragen, der im Allerheiligsten Sakrament des Altares zugegen ist als wahrer Gott und Mensch: Wir bitten ihn auf die Fürsprache der seligen Jungfrau Maria, der Mutter des Ewigen Hohenpriesters, um viele Priester nach dem Herzen Jesu! Priesterberufe können nicht gemacht werden, sie müssen erbetet werden. Der größte Segen für die Menschheit und für unsere heilige Kirche ist es, wenn jeden Tag würdig das heilige Meßopfer gefeiert wird. So wollen wir vertrauensvoll dieses wichtige Anliegen Gott vortragen. Beten wir auch darum, daß in unseren Familien und in unserer Gesellschaft wieder ein günstiges Klima entsteht für geistliche Berufe. Ein jeder hat seine besondere Berufung von Gott erhalten. Dieser gilt es zu folgen mit lebendigem Glauben, wie es die selige Jungfrau Maria getan hat.

Feiern wir darum jetzt mit Freude und Dankbarkeit die heilige Eucharistie. Sie ist Teilnahme an der himmlischen Liturgie, in die wir einst einzutreten berufen sind nach dem Willen des gnädigen Gottes in der Gemeinschaft mit allen Engeln und Heiligen! Die heilige Jungfrau und Gottesmutter Maria möge uns als gütige Mutter mit ihrer Fürbitte begleiten und uns einst Jesus zeigen, die gebenedeite Frucht ihres Leibes. Amen.

 

·        Predigt am Fronleichnamsfest 2000

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