Kaplan Dr. Josef Spindelböck, Mank
Liebe Gläubige!
Wir sind versammelt, um zu Ehren des Heiligsten Herzens Jesu die hl. Messe zu feiern und die nächtliche Anbetung zu halten. Zugleich ist heute der Gedenktag des großen Heiligen Franz von Assisi (1182-1226).
Gerade dieser Heilige kann uns hinführen zum Geheimnis der Liebe Jesu Christi, die wir unter dem Zeichen seines Heiligsten Herzens verehren. Jesus hat uns seine Liebe erwiesen bis zum Tod am Kreuz.
Der heilige Franz hörte in einer verfallenen Kapelle die Stimme Jesu Christi vom Kreuz herab: „Franz, stelle mein verfallenes Haus wieder her!“ Er begann damit, das Kirchlein San Damiano zu renovieren. Später erkannte er dann, daß er berufen war, an der religiösen und sittlichen Erneuerung der ganzen Kirche Christi mitzuwirken.
In seinem Leben hat der heilige Franz von Assisi besonders das Leiden und Sterben unseres Herrn und Erlösers verehrt. Freilich hat er immer mitbedacht, daß dieser Gekreuzigte zugleich der Auferstandene ist. Nur so war es ihm möglich, das Kreuz Christi als Quelle der Hoffnung und des Trostes zu verehren: „Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Hoffnung, im Kreuz ist Segen.“ Denn hier hat sich die Liebe des dreifaltigen Gottes - die Liebe Gottes des Vaters, die Liebe des Heiligsten Herzens Jesu und die Liebe des Heiligen Geistes - bis zum Letzten und Äußersten offenbart.
Jesus möchte alle Menschen in Liebe an sich ziehen, an sein Heiligstes Herz. Dies hat der heilige Franz von Assisi in besonders eindrucksvoller Weise erfahren: Er durfte auch äußerlich sichtbar die Wundmale des Gekreuzigten empfangen (entdeckt wurden sie allerdings erst nach seinem Tod). Von dieser Verbindung mit Christus her konnte er dann alle Menschen annehmen und für sie da sein, besonders für die Armen, Kranken und Ausgestoßenen, die Zurückgesetzten und Verachteten.
Wahre Frömmigkeit bleibt nicht im Privatbereich verborgen. Sie wirkt sich aus auf die Beziehung zum Nächsten, sie hat eine gesellschaftliche und soziale Dimension. Die geübte Nächstenliebe ist der Testfall für die Echtheit des Glaubens. „Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt; denn Gott ist die Liebe.“ (1 Joh 4,8).
Weil der heilige Franz von Assisi zutiefst vom Glauben an die erlösende Macht des Leidens Christi durchdrungen war, konnte er auch voll Zuversicht und Hoffnung das Leben bewältigen. Er erschien den Mitbrüdern und Zeitgenossen als „Bruder Immerfroh“. Diese Freude war freilich keine oberflächliche, sondern eine durch innere und äußere Leiden geläuterte und gereifte. Die Freude des heiligen Franz war bestimmt durch den Ausblick auf die Ewigkeit, durch die Hoffnung auf die ewige Vereinigung mit dem gütigen Gott, dessen Liebe so groß ist, daß er seinen eingeborenen Sohn für uns Sünder dahingegeben hat.
Jetzt im Oktober verehren wir in besonderer Weise die Rosenkranzkönigin. Die heilige Jungfrau war aufs innigste mit dem Leben und Sterben und auch mit der Auferstehung ihres Sohnes verbunden. Sie vermag im betrachtenden Gebet die Augen unseres Herzens für den Reichtum der Liebe des Heiligsten Herzens Jesu zu öffnen!
Amen.
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Gemeinschaft vom heiligen Josef