Dr. Josef Spindelböck

Maria, Ursache unserer Freude

Predigt bei der Herz-Mariä-Messe
am 03. September 2005
in der Wallfahrtskirche Maria Steinwurf (Pöttelsdorf)

L: Jes 61,9-11; Ev: Lk 1,39-47

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

Wir feiern heute am ersten Samstag des Monats September, am Herz-Mariä-Sühnesamstag gemäß der Botschaft von Fatima, die Votivmesse „Maria, Ursache unserer Freude“. Geht denn das überhaupt zusammen: Buße und Sühne leisten zu wollen für die eigenen Sünden und die Sünden der anderen und sich zugleich im Herrn zu freuen? Freilich! müssen wir sagen. Denn wer meint, man könne nur dann eine wirkliche Bußgesinnung haben, wenn man mit traurigem Haupt einherlaufe, hat die Botschaft Christi nicht begriffen. Das Bekenntnis zum Leiden und Sterben des Herrn an seinem Kreuz und die innere Teilnahme daran sind stets verbunden mit der österlichen Freude über seinen Sieg über Sünde, Tod und Teufel.

Das Evangelium des Besuchs der Jungfrau Maria bei ihrer Verwandten Elisabeth zeigt uns, dass die Gottesmutter Maria dazu ausgesandt ist, um Freude zu bringen. Als Elisabeth den Gruß Marias hörte, hüpfte ihr noch nicht geborenes Kind – Johannes – vor Freude in ihrem Leib. Woher aber kommt jene Freude, die Maria vermitteln darf? Sie hat ihren Ursprung bei ihrem Sohn Jesus Christus, der „unser Heil und unsere Freude“ ist (Hallelujavers vor dem Evangelium). Wenn Gott in seinem menschgewordenen Sohn Jesus Christus endgültig „Ja“ gesagt hat zu uns Menschen, dann dürfen und müssen wir uns doch freuen! Gott hat damit alles Gute bestätigt, was er im Menschen durch die Schöpfung grundgelegt hat. Er hat durch das Erlösungsopfer Christi am Kreuz, das bei der heiligen Messe vergegenwärtigt wird, alles Böse von uns genommen und uns die Schuld vergeben, welche die eigentliche Ursache jeder Traurigkeit ist. Wir haben durch die Annahme an Kindes Statt im Sakrament der Taufe die heiligmachende Gnade empfangen und erfreuen uns des göttlichen Lebens, das uns zu Erben des Himmels macht. Maria, unsere geistliche Mutter, hat uns durch die Zugehörigkeit zur Kirche diese Freude vermittelt, die vom Herrn kommt. Er ist daher der Quell wahrer Freude und ewigen Lebens. Seine heilige Mutter darf uns diese Gnadenquellen erschließen und begleitet uns durch ihre Fürbitte, wenn wir beten, das Wort Gottes hören und die heiligen Sakramente empfangen.

Die am 13. Mai 2000 von Papst Johannes Paul II. selig gesprochenen Seherkinder von Fatima, Jacinta und Francisco, und auch die am 13. Februar 2005 verstorbene Schwester Luzia waren erfüllt von echtem Bußgeist. Gott hatte ihnen durch die Erscheinungen der Gottesmutter Maria die Erhabenheit der himmlischen Berufung kundgetan und zugleich die Schrecklichkeit der Sünde. In der Sünde stellt sich der Mensch bewusst und freiwillig gegen Gott, dessen Gebot er übertritt. Die lässliche Sünde ist eine Lieblosigkeit gegen Gott, aber trennt noch nicht von ihm. Die Todsünde hingegen ist die Trennung des Menschen von Gott. Sie ist Sünde, Absonderung im vollen Sinn. Das göttliche Leben im Herzen des Menschen stirbt ab und kann nur durch die rettende Gnade Gottes wieder erweckt werden, wenn der Mensch bereut und umkehrt und sich – wie es der Heilsordnung entspricht – im Sakrament der Versöhnung von Gottes Liebe neu beschenken lässt. Die Gottesmutter Maria hat den Seherkindern von Fatima kundgetan, wie wichtig das stellvertretende Gebet für die Sünder ist. Gott ist schon so viel beleidigt worden durch die Sünde – er soll nicht noch mehr an Undank, Ehrfurchtslosigkeit und Ablehnung erfahren. Durch die betenden und sühnenden Kinder und durch alle jene, die auf diese kirchlich anerkannte Botschaft hören (welche im Grunde nichts anderes enthält als das Evangelium), soll stellvertretende Wiedergutmachung geschehen, indem sie den Rosenkranz beten und Buße tun in täglichen Werken der Entsagung, der Hilfsbereitschaft und der Hingabe aus Liebe.

Der heutige Tag lädt uns ein, unsere geistliche Hingabe an Gott durch die Weihe an die Gottesmutter Maria zu vertiefen. Geben wir uns ihr ganz und vertrauensvoll hin, dass wir zu einem Opfer der Liebe werden! Dann nimmt Gott das Wenige an, das wir ihm darbieten können, und macht es zu einem ihm wohlgefälligen Opfer. Es kommt nicht auf die Größe der Werke an, die wir vollbringen, sondern auf die Größe der damit verbundenen Liebe. An erster Stelle der Werke der Buße stehen das tägliche Gebet und die möglichste häufige Teilnahme an der heiligen Messe. Die tägliche Pflichterfüllung in freudiger Hingabe ist ein Opfer, das Gott wohlgefällt. Was wir darüber hinaus noch an Opfern und Entsagungen hinzufügen können, ist ganz verschieden. So mancher wird durch Krankheiten und Leiden geplagt, die er aufopfern kann. Ein anderer hat das Kreuz, schwierige Mitmenschen ertragen zu müssen, denen er seine besondere Güte erweisen soll. Darüber hinaus können uns Verdemütigungen verschiedenster Art erwarten, wo wir uns im „Kleinsein vor Gott“ und im Vertrauen üben sollen. Sicher gibt es auch außerordentliche Bußwerke in Gebet, Fasten und Entsagung. Doch hier hat die Kirche stets vor Übertreibungen gewarnt und solche Werke der Buße vorgeschlagen, die vielleicht unspektakulär, jedoch auf verborgene Weise besonders wirksam sein können. Hier braucht es unbedingt kluge geistliche Beratung und Begleitung für den einzelnen.

Wir sind von der Freude ausgegangen, und manchen scheint es, also ob der Gedanke an die Buße die Freude trüben könnte. Das Gegenteil ist wahr! Wer ein Kind Gottes ist und sich in Liebe hingibt zur Ehre Gottes und zum Heil der Menschen, wird von einem inneren Frieden und einer Freude erfüllt, die die Welt nicht geben kann. Die Vollendung dieser Freude ist uns für das ewige Leben verheißen. Doch bereits hier auf Erden dürfen wir inmitten aller Prüfungen und Leiden immer wieder einen „Vorgeschmack“ davon erfahren. Möge uns die heilige Gottesmutter Maria stets neu zu Jesus, ihrem Sohn, hinführen, denn durch seine Menschwerdung, sein Leiden und Sterben sowie durch seine Auferstehung hat Gott die Welt erfreut. Amen.

 

·        Predigten von Dr. Josef Spindelböck

·        Predigten von Pfr. Christian Poschenrieder

·        Predigten von + Univ. Prof. Dr. Ferdinand Holböck


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