Dr. Josef Spindelböck
Predigt am
Hochfest des heiligen Hippolyt
(13.
August
2000)
L 1: Ez 34,11-16; L 2: Hebr 11,32-36; Ev: Mt 23,8-12
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Nicht jedes Jahr trifft es sich, daß wir das Hochfest des heiligen Hippolyt, unseres Diözesanpatrons, an einem Sonntag begehen können! Sie wissen ja, daß von ihm die Stadt und Diözese St. Pölten ihren Namen hat. Aber wahrscheinlich wissen nicht viele von uns die Geschichte seines Lebens.
Vieles liegt historisch im Unsicheren. Nach allgemeiner Auffassung lebte er am Anfang des 3. Jh. als Priester in Rom. Er trat als hervorragender Theologe auf und war sehr gebildet. Die Kirche hatte sich in dieser Zeit mit mancherlei Irrlehren auseinanderzusetzen, gegen die sich auch Hippolyt wandte. Dann muß es zu einem tragischen Ereignis gekommen sein. Als im Jahr 217 ein neuer Papst gewählt wurde – es war Kallistus, von Herkunft ein Sklave –, da ließ es der Stolz Hippolyts nicht zu, diesen Papst als rechtmäßig anzuerkennen. Er verweigerte nicht nur die Gemeinschaft mit dem neugewählten Papst und der römischen Kirche, sondern ließ sich von seinen eigenen Anhängern sogar zum Gegenpapst aufstellen. Wahrlich, eine schwere Sünde gegen die Einheit der Kirche und ein großes Unglück – denn damit begründete Hippolyt ein Schisma!
Auch unter den Nachfolgern des Papstes Kallistus, Urban und Pontius, bestand das Schisma fort. Es kam zu keiner Aussöhnung, und wäre Hippolyt in diesem Zustand gestorben, so könnten wir ihn nicht als Heiligen der Kirche verehren. Doch es trat eine Wende ein! Schuld daran war paradoxerweise ein Ereignis von außen, eine Verfolgung der Kirche, in der die Christen plötzlich hart bedrängt wurden. Zusammen mit dem rechtmäßigen Papst Pontianus wurde auch Hippolyt auf die Insel Sardinien verbannt, wo beide in den Bergwerken arbeiten mußten. Da erkannte Hippolyt sein Unrecht, und er versöhnte sich mit dem Papst und fand wieder zurück in die volle Gemeinschaft der katholischen Kirche! Beide – Papst Pontianus und sein früherer Gegenspieler Hippolyt – starben dann an den Folgen ihrer Erschöpfung als Märtyrer und werden gemeinsam verehrt und gefeiert! Seine Reliquien wurden nach Rom in die Calixtuskatakomben gebracht und er selbst als Märtyrer verehrt. Reliquien kamen über St. Denis in Frankreich ins bayrische Tegernsee. Benediktinermönche brachten sie von dort in ihre Neugründung Traisma, das heutige St. Pölten.
Liebe Brüder und Schwestern! Ist das nur eine Geschichte aus der Vergangenheit, oder betrifft das Leben und Sterben des heiligen Hippolyt auch uns?
Einmal führt uns sein Leben vor Augen, daß es Irrwege geben kann im menschlichen Schicksal. Wir sind alle sündige Menschen; und auch Menschen, die später als Heilige und Märtyrer verehrt werden, können in ihrem Leben Zeiten gehabt haben, wo sie nicht so heilig gelebt haben. Zu bewundern ist aber, daß Hippolyt sich dann bekehrt hat. Er sah sein Unrecht ein, bereute es und kehrte wieder in den Frieden mit der Kirche zurück. Wäre das nicht auch heute ein aktuelles Programm für all jene, die sich vielleicht schwer tun mit der Kirche? Warum stellen wir nicht allen persönlichen Ehrgeiz zurück und schauen auf Christus, der allein unser wahrer Lehrer ist!
Dann zeigt uns das Leben des heiligen Hippolyt aber auch, wie wichtig und unaufgebbar die Gemeinschaft der Gläubigen mit dem Papst als dem Nachfolger des Apostels Petrus und sichtbaren Stellvertreter Jesu Christi auf Erden ist. Dort, wo Petrus ist, ist die Kirche Jesu Christi! Halten wir uns immer an die Leitung des Papstes und der mit ihm verbundenen Bischöfe. Nur dann sind wir wahrhaft katholisch.
So soll uns der heutige Festtag auch dazu bewegen, für unseren Heiligen Vater, Papst Johannes Paul II., sowie für unseren Bischof Kurt und alle Bischöfe der Kirche zu beten. Sie alle sind Menschen und brauchen die Hilfe Gottes wie wir. Wenn wir uns um die Einheit und den Frieden nach dem Willen Christi mühen, dann wird unser Leben letztlich immer auf rechter Bahn verlaufen. So hoffen wir, in der Gemeinschaft mit allen Engeln und Heiligen des Himmels die ewige Seligkeit bei Gott zu erlangen. Amen.