Kaplan Dr. Josef Spindelböck

Predigt zum Herz-Jesu-Freitag am 1.8.1997

L: Röm 8,1-4; Ev: Mt 5,13-19

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

Die Liebe Gottes, die wir heute am Herz-Jesu-Freitag wieder gläubig bedenken wollen, ist derart groß und reich an Erbarmen, daß wir sie niemals werden ausloten können. Gott ist Mensch geworden - für uns, und wir sind in seinem Sohn Jesus Christus zu Kindern Gottes geworden!

Der heilige Apostel Paulus gibt uns im Brief an die Römer (8,3) eine Antwort darauf, warum Gott der Vater seinen eingeborenen Sohn in die Welt gesandt hat. Er schreibt:

"Weil das Gesetz, ohnmächtig durch das Fleisch, nichts vermochte, sandte Gott seinen Sohn in der Gestalt des Fleisches, das unter der Macht der Sünde steht, zur Sühne für die Sünde, um an seinem Fleisch die Sünde zu verurteilen."

Von welchem Gesetz spricht der Apostel hier? Es ist das alttestamentliche Gesetz, das die Israeliten durch Gottes Offenbarung empfangen haben. Von ihm sagt Paulus, daß es nichts vermochte, da es ohnmächtig war durch das Fleisch. Es wurde zwar im Alten Testament das Gesetz gegeben, das die Erkenntnis der Sünden mit sich brachte, aber noch nicht die innere Kraft zur Erfüllung des Gesetzes. So wurden sich die Menschen gerade durch das Gesetz des Alten Bundes ihrer eigenen Ohnmacht bewußt. Sie erfuhren sich als ausgeliefert an die Sünde. Das Gute war zwar vorgeschrieben, doch oft zu schwer, um es zu erfüllen.

Machen nicht aus wir manchmal diese Erfahrung? Wir erkennen zwar, daß etwas gut und richtig ist, doch wir haben nicht die innere Kraft, es zu tun. Wir erleben unsere innere Zerrissenheit und das Ausgeliefertsein an das Böse.

Für einen Christen dürfte das aber nicht der Normalzustand sein! Denn Jesus Christus ist gekommen, um uns von dieser Verlorenheit an die Sünde und von diesem Ausgeliefertsein an ein Gesetz, das wir aus eigener Kraft nicht erfüllen können, zu befreien!

Jesus, der selber ganz ohne Sünde war, hat in seiner Menschwerdung die Gestalt unseres Fleisches angenommen, das unter der Macht der Sünde steht, um unsere Sünden zu sühnen, d.h. wiedergutzumachen und zu vergeben. Stellvertretend für uns trug er die Strafe für unsere Verfehlungen, damit wir der Verurteilung durch die Gerechtigkeit Gottes entgehen können.

Noch mehr: In Jesus Christus ist die Forderung des Gesetzes auf vollkommene Weise erfüllt worden: "Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben. Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen" (Mt 5,17), sagt er. Was kein Mensch aus sich vermochte, hat er - der wahre Gott und Mensch zugleich - vollbracht: Er hat das ganze Gesetz erfüllt. Ja, in seiner Person ist der Erlöser die Erfüllung und Vollendung des Gesetzes!

Machen wir es uns oft bewußt: Durch seine unendliche Liebe hat uns Gott aus der Macht der Sünde und des Todes befreit.

Ist das nicht Grund genug zur Freude und zur Dankbarkeit? Sollten wir nicht mit gläubigem Herzen Gott preisen, daß er uns durch seinen Sohn im Innersten unseres Herzens aufgrund von Glaube und Taufe erneuert hat und uns die Kraft geschenkt hat, seinen Willen zu erfüllen?

Denn jener innere Zwang ist gebrochen, der uns der Sünde verpflichtet. Wir sind frei und sollen nicht mehr "nach dem Fleisch, sondern nach dem Geist leben." Es gibt "keine Verurteilung mehr für die, welche in Christus Jesus sind", schreibt Paulus. "Denn das Gesetz des Geistes und des Lebens in Christus Jesus hat dich frei gemacht vom Gesetz der Sünde und des Todes." (8,1 f).

Wenn uns nun Gott alle Sünden vergibt, die wir von Herzen bereuen, so sollen auch wir unseren Brüdern und Schwestern von Herzen vergeben. Überwinden wir das Böse durch das Gute!

Die Liebe des Heiligsten Herzens Jesu gab sich für uns hin bis in den Tod. Nach seinem Beispiel sollen auch wir uns hingeben im Dienst an unseren Mitmenschen. Schauen wir auf das Beispiel der Gottesmutter und bitten wir sie um ihre Fürsprache!

Amen.



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