Dr. Josef Spindelböck
Predigt am Gedenktag des heiligen Josef, des Arbeiters
1. Mai 2003
L: Gen
1,26-2,3 oder Kol 3,14-15.17.23-24; Ev: Mt 13,54-58
Alle liturgischen Texte online finden Sie im Schott-Messbuch
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Der heilige Josef ist in besonderer Weise auch der Schutzpatron aller arbeitenden Menschen. Den Titel „Patron der Arbeiter“ hat ihm die Kirche übertragen. Wir dürfen aber überzeugt sein, daß es sich hier nicht um eine bloß äußere Zuweisung handelt, sondern um eine Aufgabe, die seiner Sendung entspricht, wie er sie auf Erden bereits hatte und noch mehr im Himmel ausübt.
Auf Erden war der heilige Josef dazu bestellt, die Vaterstelle am Jesuskind zu vertreten. Jesus war ja von der Jungfrau Maria durch das wunderbare Wirken des Heiligen Geistes ohne Zutun eines Mannes empfangen und in Bethlehem geboren worden. Josef hatte die Aufgabe, der heiligen Jungfrau Maria als Bräutigam zur Seite zu stehen und dem Jesuskinde gegenüber alle Vaterrechte und Vaterpflichten zu erfüllen. Die meiste Zeit wohnte die Familie in Nazareth in Galiläa.
In der Heiligen Schrift heißt es, daß er den Beruf eines Handwerkers ausübte. Man wird das entsprechende Wort wohl am besten mit „Zimmermann“ übersetzen. Zugleich ist daran zu denken, daß dieser Beruf damals noch nicht mit der heute üblichen Spezialisierung verbunden war und vieles umfaßte, was mit der Arbeit am Holz zusammenhing: von der Anfertigung verschiedenster Möbelstücke bis zur Errichtung einfacher Häuser.
Der heilige Josef hat diese seine Arbeit gewissenhaft ausgeübt. Er tat dies mit Freude und Hingabe, da er wußte, daß er auf diese Weise den Lebensunterhalt für seine Familie verdiente. Er war der Auffassung, daß er mit seiner Hände Arbeit auch seinen Mitmenschen den besten Dienst erweisen konnte. Denn jeder hat andere Talente und Fähigkeiten, wie er sich nützlich machen kann.
Es ist ganz natürlich, daß auch der heranwachsende Jesus in der väterlichen Werkstatt mitarbeitete und Josef zu Hilfe kam. Der Sohn Gottes fand es nicht unter seiner Würde, als Sohn des Zimmermanns zu gelten und niedrige körperliche Arbeiten zu verrichten. Eben dadurch zeigte er, daß der Arbeit als solcher immer eine Würde und ein Wert zukommt.
Der heilige Josef wird vor allem auch davon überzeugt gewesen sein, daß seine Arbeit eine Mitarbeit darstellte mit Gott dem Schöpfer. Denn wie Gott der Herr die sichtbare und die unsichtbare Welt erschaffen und dem Menschen zur Obhut übergeben hat, so soll der Mensch mitwirken mit seinem Schöpfer und Gottes Werk getreu verwalten. Er soll die Erde bebauen und kultivieren; er soll durch seiner Hände Arbeit und mit den Fähigkeiten seines Geistes beitragen, daß äußere und innere Werte geschaffen werden, die der Entfaltung des Menschseins dienen und das Zusammenleben erfüllt und fruchtbar sein lassen.
Von daher ist es nicht verkehrt, daß die Kirche in besonderer Weise an den heiligen Josef gedacht hat, als man einen Schutzpatron für alle arbeitenden Menschen gesucht hat. Nun darf der heilige Josef zwar in himmlischer Glorie sein Glück genießen, in Gemeinschaft mit der heiligen Jungfrau und Gottesmutter Maria und mit dem ihm auf Erden anvertrauten menschgewordenen Sohn Gottes, Jesus Christus. Aber gerade die Heiligen des Himmels haben ein Herz für uns. Ihnen liegt etwas an uns; wir sind ihnen nicht gleichgültig. Voll Liebe sind sie mit uns verbunden, und sie dürfen uns nach dem Plan und Willen Gottes vom Himmel her beistehen und uns helfen und trösten in den Nöten unseres Lebens.
Rufen wir also den heiligen Josef voll Vertrauen an! Empfehlen wir ihm die Menschen in den verschiedensten Berufen, damit die Arbeit gut getan werde zur Ehre Gottes und zur gegenseitigen Freude der Menschen. Empfehlen wir dem heiligen Josef aber auch alle anderen Anliegen, besonders die Ehen und Familien. Empfehlen wir dem heiligen Josef schließlich die ganze heilige Kirche, deren Schutzpatron er ist. Er möge seine Fürsprache bei Gott für uns einlegen, der ihm gewiß keine Bitte versagen wird! Amen.