Dr. Josef Spindelböck
Predigt am Predigt am Hochfest
der Geburt des hl. Johannes des Täufers
24. Juni 2001
L 1: Jes 49,1-6; L 2: Apg 13,16.22-26; Ev: Lk 1,57-66.80
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Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Heuer trifft es sich, daß das Hochfest der Geburt des hl. Johannes des Täufers auf einen Sonntag fällt. Er ist außer der Gottesmutter Maria der einzige Heilige, dessen Geburtsfest gefeiert wird. Johannes wurde schon als Kind im Mutterschoß geheiligt, als Maria ihre Verwandte Elisabeth besuchte und sie grüßte. Seine Geburt erfüllte alle mit Freude, da sich Großes ankündigte.
Auch wir dürfen heute in Freude das Geburtsfest des heiligen Johannes begehen. Er war berufen, dem Erlöser vorauszugehen und die Menschen auf ihn vorzubereiten. Sein Leben ist gewiß außergewöhnlich, und zugleich zeigt es uns, daß Gott für jeden Menschen eine Lebensaufgabe bereithält und besondere Gnaden schenkt.
Der Priester Zacharias und seine Frau Elisabeth waren schon alt; Gott hatte ihnen keine Kinder geschenkt, obwohl sie sich so sehnlichst welche gewünscht hätten. Denn Kindersegen galt im Alten Testament als Zeichen der besonderen Zuwendung Gottes, während Unfruchtbarkeit oft als Strafe Gottes gedeutet wurde. Als Zacharias wieder einmal Tempeldienst hatte, erschien ihm ein Engel des Herrn und verkündete ihm, daß seine Frau noch in hohem Alter einen Sohn bekommen würde. Er werde das Volk auf den kommenden Messias vorbereiten. Sein Name solle Johannes sein. Anstatt sich zu freuen, zweifelte Zacharias. Er glaubte nicht, sondern sagte: Wie soll das geschehen, da ich und meine Frau schon so alt sind? Zur Strafe für seinen Unglauben wurde Zacharias stumm und konnte nicht mehr reden.
Tatsächlich kam alles so, wie der Engel Gabriel es ihm angekündigt hatte. Elisabeth wurde noch in hohem Alter schwanger. In dieser Zeit erhielt sie Besuch von ihrer jungen Verwandten Maria. Auch diese war gesegneten Leibes: Denn sie hatte als Jungfrau vom Heiligen Geist den Sohn Gottes empfangen, der als Mensch den Namen Jesus erhalten sollte. Als Maria bei Elisabeth eintrat, wurde diese vom Heiligen Geist erfüllt. Sie grüßte sie voll Freude mit den Worten: „Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, daß die Mutter meines Herrn zu mir kommt? In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. Selig ist die, die geglaubt hat, daß sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ.“ (Lk 1,42-45)
Es scheint, daß sich die Freude der Mutter Elisabeth gleichsam auf das Kind Johannes in ihrem Schoß übertragen hat. Bei dieser Begegnung der beiden Frauen kam es zu einer wunderbaren Begegnung der ungeborenen Kinder: Das Jesuskind, das Maria unter ihrem Herzen trug, schenkte dem kleinen Johannes eine außerordentliche Freude, die zugleich ein besonderes Gnadengeschenk darstellte und ihn bereits im Mutterschoß heiligte.
Und dann, nach neun Monaten – wir feiern dies am heutigen Tag – war der große Moment gekommen: Elisabeth brachte einen gesunden Buben zur Welt. Alle freuten sich. Als man in der Verwandtschaft beratschlagte, wie er heißen sollte, meinten viele: auf jeden Fall Zacharias – wie sein Vater. Doch Elisabeth widersprach ihnen und sagte: Er soll Johannes heißen. Als man Zacharias fragte, konnte er plötzlich wieder reden und sagte: Er soll Johannes heißen.
Das war für die Menschen ein göttliches Zeichen, daß dieses Kind zu Großem auserwählt war. Tatsächlich sollte er als letzter der alttestamentlichen Propheten dem Herrn vorausgehen und ihm den Weg bereiten. Er hat ja dann später zuerst in der Wüste gelebt, sich von Heuschrecken und wildem Honig ernährt und den Menschen die Umkehr verkündet und sie im Jordan getauft.
Der heutige Festtag ist für uns als römisch-katholische Christen ein Anlaß, daß wir uns dessen bewußt werden, wie sehr der Alte Bund mit dem Neuen Bund zusammenhängt. Gott hat das Volk Israel auserwählt und vorbereitet auf das Kommen des Messias. Die Propheten haben immer wieder darauf hingewiesen, wie wichtig es für das Heil des auserwählten Volkes ist, diesen Bund zu halten. Gott ist treu, nur der Mensch hält oft nicht das, was er versprochen hat.
In Jesus Christus hat Gott seinen Bund mit dem Volk Israel vollendet und auf die ganze Menschheit ausgeweitet. Jesus Christus liebt sein Volk – uns als seine Kirche – mit unendlicher Liebe. Sein Herz steht offen für alle, damit sie die Ströme lebendigen Wassers finden und daraus das Heil in Fülle empfangen. Auch uns möchte Johannes zurufen: Glaubt an Jesus Christus! Haltet ihm die Treue!
Mit Maria dürfen wir jubeln über das Große, das Gott an uns getan hat. Er ist treu und wird es vollenden in ewiger, nie endender Freude und Seligkeit! Amen.