Kaplan Dr. Josef Spindelböck, Ybbs/Donau
Predigt am Gedenktag des hl. Josef, des Arbeiters
1. Mai 1998
L: Gen 1,26-2,3 oder Kol 3,14-15.17.23-24; Ev: Mt 13,54-58
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Ist die Kirche marxistisch geworden? Das werden sich vielleicht manche gefragt haben, als vor 43 Jahren Papst Pius XII. den 1. Mai zu einem Festtag erklärte. Doch weit gefehlt! Der Papst ordnete für diesen Tag an, daß überall in der ganzen Kirche jedes Jahr das Fest des hl. Josef des Arbeiters begangen werden sollte.
Wer ist dieser Heilige eigentlich? Wir kennen ihn zwar ein wenig aus der Heiligen Schrift, obwohl uns dort kein einziges Wort von ihm überliefert ist. Nur von seinem Gehorsam gegenüber Gottes Willen spricht die Bibel und davon, daß er ein gerechter Mann war, also untadelig in jeder Beziehung: Josef von Nazareth, der Mann Mariens, jener Jungfrau, aus der Jesus geboren wurde, der Erlöser der Welt.
An der Person des heiligen Josef erkennen wir, daß ein großer Dienst und eine große Aufgabe mit einer wahrhaft königlichen Würde verbunden sein können mit äußerster Verborgenheit und Erniedrigung vor den Augen der Welt. Josef von Nazaret in Galiläa waren die heiligsten Personen anvertraut: der menschgewordene Sohn Gottes und dessen jungfräuliche Mutter Maria. Josef durfte an Jesus die Vaterstelle vertreten und für ihn sorgen und Verantwortung übernehmen mit allen Rechten und Pflichten eines menschlichen Vaters. Er durfte Maria seine Frau nennen, da er mit ihr nach Gottes Willen in einer wahren, wenn auch jungfräulichen Ehe verbunden war.
Der Sohn Gottes wollte in unsere Welt eintreten im Schutz und in der Geborgenheit einer menschlichen Familie. Er wollte mit seiner Hände Arbeit sein Brot verdienen, um uns so ein Beispiel zu geben. Dabei war ihm der heilige Josef ein liebevoller Beschützer und Lehrmeister. Im Zimmermannshandwerk bemühte sich Josef von Nazaret, Gott die Ehre zu geben. Seine Arbeit wurde zum Gebet. Er setzte seine Talente und Gaben ein, die ihm Gott verliehen hatte. Bei seiner Arbeit diente er den Menschen.
Auch uns hat Gott eine ganz persönliche Lebensaufgabe zugedacht. Ob in der Familie und im Beruf, ob in der Schule oder in einem geistlichen Stand: Gott möchte, daß wir unsere Fähigkeiten und Talente, die er uns gegeben hat, entfalten. Wir sollen dankbar sein, daß er uns dies alles geschenkt hat. Seit der Sohn Gottes selbst zusammen mit seinem Nährvater, dem heiligen Josef, die menschliche Arbeit durch sein Beispiel geheiligt hat, liegt im menschlichen Mühen nicht mehr Fluch, sondern Segen. Die Arbeit soll beitragen zur Entfaltung der Persönlichkeit und zum Dienst an den Nächsten. Auf diese Weise geben wir Gott die Ehre.
Möge der heilige Josef durch seine Fürbitte helfen, daß wir über allem irdischen Mühen das eine Notwendige nicht vergessen: die ständige Verbundenheit mit Gott, wodurch unsere Arbeit zum Gebet und Gottesdienst wird. Amen.
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Gemeinschaft vom heiligen Josef