Pfr. Lic. theol. Stefan Hartmann

Der heilige Josef
- ein Mann mit gütigem Herzen

Hochfest des heiligen Josef
19. März 2007 (Lesejahr C)

L 1: 2 Sam 7,4-5a.12-14a.16; L 2: Röm 4,13.16-18.22; Ev: Lk 2,41-51a

Die aktuellen Messtexte finden Sie im Schott!

 

Die folgende Homilie wurde am Mittwoch, den 28. September 2005, in der Marienbasilika Kevelaer im Rahmen des Josefsymposions gehalten. Hauptzelebrant der Messe war der emeritierte Erzbischof von Birmingham/England. Pfr. Hartmann stellte die Predigt für die Verbreitung auf stjosef.at freundlicherweise zur Verfügung. Die Homilie ist auch im neuen Buch "Joseph von Nazareth. Der Mann im Hintergrund" (hg. v. G. Rovira u. R. Schulte-Staade, Verlag St. Ulrich, Augsburg 2007) abgedruckt.

 

Hochwürdigster Herr Erzbischof, verehrter Pastor Schulte-Staade, liebe Mitbrüder, ehrwürdige Schwestern, liebe Brüder und Schwestern!

 

Wenn wir nach Kevelaer pilgern, werden wir zuerst der Gottesmutter, der „Trösterin der Betrübten“, an der Gnadenkapelle unseren Besuch abstatten und danach vielleicht in die so wunderbar ausgemalte Basilika eintreten. Überwältigt von soviel Glanz und Schönheit könnte der Pilger – der „Homo viator“, wie eine Gedenktafel am Priesterhaus lautet – die künstlerische und so inhaltsreiche Gestaltung der verschiedenen Portale zur Basilika und zur Tauf- und Beichtkapelle geradezu übersehen. Sie schildern in ihrer Weise die Gnadengeschichte dieses Wallfahrtsortes. Der hl. Josef, dem wir in dieser Woche des IX. Internationalen Symposions über ihn in Kevelaer unsere Aufmerksamkeit schenken wollen – vor allem mit Blick auf seine Rolle in der Heilsgeschichte des Gottesvolkes – ist ähnlich ein oft übersehenes „Portal“ zum Innenleben des Hauses der hl. Familie.

Wenn die hl. Teresa von Avila, die große Kirchenlehrerin des Gebetes, Josef einen „Meister und Lehrer des inneren Gebetes“ nennt, ja sogar als ihren „Vater und Herrn“ ansieht, dann muss am Innenleben des hl. Josef selbst etwas Besonderes und zu Beachtendes sein, dann ist er mehr als nur ein Portal. Es spiegelt sich in ihm und in seinen Augen ja das Leben der seligen Jungfrau und Gottesmutter, das Leben des göttlichen Kindes des ewigen Vaters. Wenn wir deren unbefleckte und später durchbohrte Herzen verehren, dann ist uns auch die Verehrung des Herzens des hl. Josefs gestattet. Können wir aber Josef ins Herz und damit in sein Innenleben hineinschauen? Ja, wir können es! Wir können es im rechten Gebet, im Herzensgebet, oder – wie es der große Konvertit aus der Heimatdiözese unseres bischöflichen Zelebranten, der Oratorianer John Henry Newman (1801-1890), in seinem Kardinalswappen aussagte – wenn wir „von Herz zu Herz sprechen“ – „cor ad cor loquitur“!

Ein solches Herzensgespräch führte auch die kleine Ordensfrau, die zu den größten Gestalten des 20. Jahrhunderts gehörte und die hier in dieser Basilika am 19. September 1987 eine Anbetung des Allerheiligsten hielt. Eine Gedenktafel in der ersten Bank erinnert daran. Immer sagte Mutter Teresa von Kalkutta: „Jesus wants our hearts“ – dieser Satz und sein Tonfall klingen uns heute noch in den Ohren. Den hl. Josef hat sie als „Vater der Armen“ und Patron ihrer Sterbehäuser verehrt. Nur jemand mit einem großen Herzen voll Liebe und Güte kann Patron für die schwierigsten und letzten Momente eines Lebens sein. Ja wir können und dürfen wirklich auch dieses Herz des hl. Josef schlagen hören und verehren!

Das Innere prägt dann das Äußere eines Menschen, auch bei den Heiligen ist dies so. In einem Vortrag unseres Josefsymposions wurde über sein Bild und seine Wahrnehmung bei der sicher auch hier bekannten oberpfälzischen Mystikerin Therese von Konnersreuth referiert. Für sie war Josef einfach „de guet Ma“ – der gute Mann. Gut bezieht sich nicht zuerst auf seine Worte und Absichten, sondern auf seine Taten und sein grundgutes Wesen, seinen Charakter. Darin ist er außerordentlich als der irdische Beschützer des Erlösers („Redemptoris Custos“ sagte Papst Johannes Paul II.) und seiner unbefleckten Mutter. Ob in Nazareth, Bethlehem, Ägypten oder wieder Nazareth – Josef fragt nicht grübelnd „Was sollen wir tun?“, sondern handelt nach dem Willen Gottes und der Anforderung in der jeweiligen Situation. Das ist nicht nur Ergebnis seines frommen Gehorsams und seiner sachlich-vernünftigen Nüchternheit, sondern alles auch durch sein gut-gütiges Innenleben bestimmt. Josef ist frei von Zorn und Ungeduld, seine Souveränität und Ruhe gibt der ihm anvertrauten Familie Geborgenheit und ein festes, wenn auch nicht auf Wohlstand aufgebautes Fundament. Dies wird er nicht als „Leistung“ verstehen wollen, ist es doch seine große Gnade, auch im Gebet und in der Anbetung immer den menschgewordenen Gottessohn und seine Mutter vor Augen zu haben. Diese Betrachtung gibt ihm wieder die Kraft, die irdischen Aufgaben besonnen und sicher für die ihm Anvertrauten anzugehen.

Was der greise Simeon vor dem Tempel in Jerusalem beim Anblick des Gotteskindes im Heiligen Geist aussprach, war wohl das immerwährende Gebet des hl. Josef: „Nun lässt Du Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das Du vor allen Völkern bereitet hast. Ein Licht für die Heiden, und Herrlichkeit für Dein Volk Israel“ (Lk 2,29-32). Vielleicht konnte er deshalb auch selbst früh und gut sterben und für die Christenheit einmal der Patron eines guten Sterbens, aber auch eines heiligen Lebens, werden. In meiner Kaplanspfarrei im Saarland wurde auf den Ruf „Maria mit dem Kinde lieb“ nicht nur mit „uns allen deinen Segen gib“ geantwortet, sondern immer noch hinzugefügt: „Sankt Josef sorge!“ So wird zusammen gesehen, was auch Gott zusammengefügt hat. So wächst die Gemeinschaft der Heiligen mit dem Blick auf die heilige Familie, die der große Gründer einer apostolischen Laiengemeinschaft, der hl. Josefmaria Escriva, einmal die „Dreifaltigkeit auf Erden“ genannt hat.

Lassen wir uns von ihr nun in diesem Gottesdienst zum „Himmel auf Erden“ hinführen: zur hl. Eucharistie im Gedenken an Tod und Auferstehung Christi. Auch der hl. Josef hat im Himmel das Kreuz vor Augen und steht wie Maria, die „eucharistische Frau“ (Papst Johannes Paul II.), in der Feier der Eucharistie stets an unserer Seite. Amen.

 

 

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