Kaplan Dr. Josef Spindelböck, Ybbs/Donau
Kurzpredigt zum Hochfest
des heiligen Leopold
am 15. November 1997
L 1: Spr 3,13-20; L 2: Röm 8,26-30; Lk 19,12-26
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Die Kirche in Niederösterreich feiert heute das Hochfest ihres Landespatrons, des heiligen Leopold.
Der große heilige Markgraf Leopold III. von Österreich (1075-1136) hat in seiner Zeit die Grundlage für die künftige politische, noch mehr aber geistig-religiöse Größe Österreichs geschaffen. Dies galt von ihm als politischer Herrscher, vor allem aber als überzeugter Christ, der für seinen Glauben Zeugnis ablegte in seinem ganzen Leben.
In unserem Land ist derzeit eine gewisse Politikverdrossenheit spürbar. Die Bereitschaft zur Verantwortung für das öffentliche Leben nimmt spürbar ab. Einerseits gibt es tatsächlich Politiker, die ihr Amt nicht in rechter Weise ausüben, sondern sich auf Kosten anderer bereichern. Andererseits wird auch viel ungerechte Kritik geübt, die das viele Gute übersieht, das täglich geschieht, auch in Politik und Wirtschaft!
Auch uns Christen betrifft das. Denn es ist ja gerade nicht so, daß sich der Christ aus allen öffentlichen Bereichen zurückziehen müßte, um sich nicht mit der Welt zu beflecken. Im Gegenteil: Gerade in den wichtigen Bereichen von Staat und Gesellschaft braucht es Männer und Frauen, die sich aus ihrem Glauben heraus einsetzen für Würde und Wohl ihrer Mitmenschen. Einer von diesen war der heilige Leopold.
Große Güte zeichnete ihn aus und ein ausgeprägter Sinn für Gerechtigkeit, verbunden mit politischer Kompetenz und Klugheit. In allem war er bestrebt, Gott zu geben, was ihm gebührt, und den Menschen zu geben und zu ermöglichen, was sie für ein menschenwürdiges Leben nötig haben. Er nahm die Verantwortung in dem ihm von Gott zugewiesenen Bereich wahr. Er suchte sich nicht zu profilieren auf Kosten anderer, sondern setzte sein Leben ein im Dienst für die Nächsten. Sein Herrschen verstand er als Dienen.
In der Nachfolge Christi sind auch wir aufgerufen, Gott und den Menschen zu dienen, eben dort, wo wir stehen, in den Aufgaben, die uns Gott zugewiesen hat. Dabei ist es wichtig zu sehen, daß Laien und Priester einander ergänzen. Die Verschiedenheit ihrer Aufgaben und ihres Dienstes ist zwar seinsmäßig begründet, doch bedeutet dies keinen Gegensatz im Sinn einer Kluft zwischen Priestern und Laien. Leopold hat es verstanden, im politischen Bereich eigenverantwortlich und in Treue zu seinem an der Lehre des Glaubens recht gebildeten Gewissen zu handeln. Er hat die Kirche und den Glauben gefördert. So hat er u.a. die Stifte Heiligenkreuz bei Wien und Klosterneuburg gestiftet. Zwei seiner Söhne wurden Bischöfe (Otto von Freising und Konrad II. von Salzburg).
Nicht vergessen wollen wir auch seine Frau Agnes, die dem heiligen Markgrafen Leopold stets treu zur Seite stand und ihm durch ihr Verständnis und ihre Unterstützung sein bedeutendes und segensreiches Wirken ermöglichte.
Beten wir für unsere Politiker! Rufen wir
die Fürsprache des heiligen Leopold an. Gott möge auch uns erkennen
lassen, was er von uns verlangt und uns hellhörig machen für
die Nöte der Zeit. Jeder von uns ist aufgerufen, in seinem Bereich
Verantwortung in Kirche und Welt zu übernehmen. Amen.
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