Dr.
theol. habil. Josef Spindelböck
Mit Christus im
Leiden und in der Herrlichkeit vereint
Predigt bei der
Monatswallfahrt
am „Gedächtnis der Schmerzen Mariens“
(15. September 2005)
in der Kirche von Maria Lanzendorf
L:
Hebr 5,7-9; Ev: Joh 19,25-27 oder Lk 2,33-35
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Wie kein anderer Mensch wurde die Jungfrau und Gottesmutter Maria in das Schicksal Jesu Christi,
ihres Sohnes, mit einbezogen. Maria, die voll der Gnade ist, hat ihr bereitwilliges
Ja-Wort zu der vom Engel verkündeten
Botschaft gegeben und es ihr ganzes Leben lang durchgehalten, indem sie es Gott
geweiht hat. In Freuden und Leiden
war sie als Mutter und Gefährtin mit
Jesus Christus, dem Erlöser,
verbunden und darf nun im Himmel teilnehmen an seiner Herrlichkeit.
So feiern wir heute das Gedächtnis
der Schmerzen Mariens. Der Überliefung nach und entsprechend den biblischen
und liturgischen Texten werden „Sieben Schmerzen Mariens“ hervorgehoben, die
wir gemeinsam betrachten wollen. Wenn wir Anteil nehmen an den Leiden und
Schmerzen der heiligen Gottesmutter Maria, so tun wir das, um das Maß der Liebe zu erahnen, das sie erfüllt hat. Nur kraft ihrer Liebe war sie jene
starke Frau, die alle Prüfungen, Widrigkeiten und Leiden in Glaube und Hoffnung
annahm und sie ohne Vorwürfe oder Verbitterung in geistiger Einheit mit ihrem Sohn trug und so geistlich fruchtbar
machte für das Heil aller Menschen, die ihr von Gott anvertraut worden sind.
Der Weg, den Maria in der Nachfolge Christi ging, war nicht nur ein Weg
des Leidens, sondern vor allem auch der Freude, wie sie uns durch Jesus
Christus, den menschgewordenen Sohn Gottes zuteil geworden ist. Es gibt darum
in der Kirche auch die Verehrung der sieben
Freuden Mariens, wobei uns klar sein muss, dass die Siebenzahl sowohl bei
den Freuden wie bei den Schmerzen Mariens eine heilige Symbolzahl ist, die für
den ganzen inneren und äußeren Verlauf ihres Lebens steht.
Wenden wir uns nun den Sieben
Schmerzen Mariens im Einzelnen zu!
1. Die Weissagung des greisen
Simeon bei der Darstellung Jesu im Tempel (Lk
2,34-35):
Als das Jesuskind von seiner Mutter Maria und vom heiligen Josef im
Tempel dargestellt wurde, nahm Simeon das Kind auf seine Arme und pries Gott
für die Gnade, den Erlöser schauen zu dürfen. Dann segnete er sie alle und wies
darauf hin, dass dieses Kind ein Zeichen des Widerspruchs sein werde. Viele
würden durch Jesus zu Fall kommen, viele würden aufgerichtet werden. Dadurch
sollten die Gedanken vieler Menschen offenbar werden. Direkt an Maria gewandt
prophezeite Simeon: „Dir selbst aber wird ein
Schwert durch die Seele dringen.“
Wie muss die heilige Gottesmutter Maria
diese doch grausam erscheinende Weissagung aufgenommen haben? War sie
verängstigt und durcheinander gebracht? Sie hat bestimmt nicht ihre
hoffnungsvolle Zuversicht in die Wege der göttlichen Vorsehung aufgegeben. Auch
wenn sie nun wusste, dass sie in Zukunft in ihrem Leben mit Jesus viel Schweres
erwarten würde, so hat sie dies in
demütiger, gläubiger und liebevoller Gottergebenheit im Voraus angenommen –
zum Heil der Menschen. Auch uns sollen zukünftige Leiden und Bedrängnisse nicht
schrecken, da uns zur rechten Zeit
die Hilfe Gottes zuteil werden wird.
2. Die Flucht Mariens und
Josefs mit dem Jesuskind nach Ägypten (Mt 2,13-15):
Maria und Josef waren in gläubigem Vertrauen bereit, mit dem Jesuskind
ins Exil nach Ägypten zu gehen, bis die Gefahr seiner Ermordung durch den König
Herodes vorüber war. Gott aber hatte dieses Ereignis in seinen Heilsplan
einbezogen, denn: „Ich rief meinen Sohn aus Ägypten“ (Hos
11,1). Das Schicksal der Heiligen
Familie wiederholt sich in der Geschichte der Menschen immer dann, wenn Menschen vor ungerechten Verfolgungen
fliehen müssen oder aus anderen Gründen ihr Zuhause verlieren. Ihnen allen
steht die Fürbitte Mariens und des heiligen Josef bei. Sind wir in der Lage, jemandem
zu helfen, der verbannt, vertrieben und heimatlos ist, dann wollen wir an die
Not der Heiligen Familie denken.
3. Die dreitägige Suche nach
Jesus bei der Wallfahrt zum Tempel in Jerusalem (Lk
2,41-52):
Wie schön hatte diese gemeinsame Wallfahrt für die Heilige Familie
begonnen! Der bereits zwölfjährige Jesus war mit dabei in der großen Gruppe der
Pilger, es bestand kein Grund zur Sorge. Als er aber plötzlich unauffindbar
war, wurden seine Eltern in große Unruhe versetzt. Wo konnte er sein? War ihm
etwas zugestoßen? Erst nach drei Tagen fanden ihn Maria und Josef bei den Lehrern
im Tempel, mit denen er Gespräche führte. War schon die Suche nach Jesus ein
großer Schmerz für Maria und Josef, so musste ihnen seine Antwort ebenfalls
nicht leicht fallen: „Warum habt ihr
mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich
in dem sein muss, was meinem Vater gehört?“ Es heißt, dass sie nicht
verstanden, was er ihnen damit sagen wollte. Die Pläne Gottes bleiben uns oft dunkel,
doch Gottes heiliger Wille führt immer zum
Guten und dient unserem Heil.
Darauf wollen wir wie Maria vertrauen!
4. Die Begegnung Mariens mit
dem kreuztragenden Jesus auf dem Weg nach Golgotha:
Dieses Ereignis ist uns als vierte Kreuzwegstation überliefert. Maria ließ es sich nicht nehmen, ihren Sohn auf seinem Kreuzweg zu begleiten. Auf diese Weise brachte sie
zum Ausdruck, dass sie im Herzen
mitleiden und mitopfern wollte, was der Herr durch sein Leiden und Sterben
für uns tat und wirkte. Auf jedem
Kreuzweg des Lebens begleitet uns die Mutter des Herrn. Sie ist bereit, uns
zu trösten und mit ihrer mütterlichen Fürbitte im Guten zu bestärken. Auch wir
sind aufgerufen, in liebevoller Verbundenheit
unsere Mitmenschen zu ermutigen, wenn diese ein Kreuz zu
tragen haben. Vielleicht ist es sogar möglich, dieses wie Simon von Kyrene ein
Stück weit zu tragen. Die Gottesmutter Maria möge uns dafür bei Gott die rechte
Gesinnung tatkräftiger Nächstenliebe
erbitten!
5. Maria steht mit dem Apostel
Johannes und einigen Frauen beim Kreuz Jesu (Joh
19,25-27):
Blutenden Herzens hat Maria dem Opfer ihres Sohnes am Kreuz zugestimmt.
Indem sie als Mutter ihren einzigen Sohn
dahingab, tat sie es aus Liebe
zu all jenen, denen sie nun vom Kreuz aus als Mutter anvertraut ist. Dies sind in der Person des Johannes zuerst die Apostel, Bischöfe und
Priester, aber auch alle übrigen Gläubigen, die sich ihrem mütterlichen Schutz
anvertrauen. Wenn wir uns der Gottesmutter weihen, sie in unser Herz aufnehmen,
dann wird uns auch das tiefste Leid im Glauben nicht erschüttern. Die Liebe wird siegreich bleiben, denn
sie ist stärker als der Tod!
6. Der Leichnam Jesu wird vom
Kreuz abgenommen und in den Schoß seiner Mutter gelegt (Mt
27,57-59):
Die künstlerische Darstellung dieses Geschehens ist uns als Pietá vertraut. Menschlich gesprochen ist alles
gescheitert. Maria muss den toten Leib ihres Sohnes in ihren Armen halten. Sie
hat jedoch mitten im tiefsten Leid die Glaubensgewissheit, dass das Opfer ihres
Sohnes nicht umsonst ist. Vorerst kann und darf sie aber die Trauer um den
Verlust ihres Sohnes nicht verleugnen, die sie nun zu tragen hat. Der Schmerz der Gottesmutter verbindet uns
mit den Leiden vieler Mütter, die
den Tod eines Kindes beklagen
müssen. Groß sind auch die Leiden, wenn erwachsene Kinder auf Abwege geraten und ein Leben führen, das den Geboten
Gottes widerspricht. Was vermögen tapfere Eltern da anderes zu tun, als
unbeirrt und treu weiter zu beten im
Vertrauen auf die Fürbitte der heiligen Jungfrau und Gottesmutter Maria,
die keines ihrer Kinder vergisst und auch dem größten Sünder die Gnade der
Umkehr zu Gott vermitteln kann!
7. Die Grablegung Jesu (Mt 27,60):
In stillem Leid wird die heilige Gottesmutter Zeugin der Grablegung
Jesu. Er ist tot; zum sicheren Erweis dafür war sein Leib mit der Lanze des
Soldaten durchbohrt worden, worauf Blut und Wasser heraus flossen. Die Seele Mariens ist durch das viele Leiden,
das sie in Gottverbundenheit getragen hat, geheiligt
worden. Ihre verborgene Schönheit
wird sich vollenden, wenn sie teilhaben darf an der Herrlichkeit des
Auferstandenen. So harrt sie in Geduld und Hoffnung der kommenden Vollendung. Bald
wird ihr Sohn auferstehen, und auch sie selber wird nach Vollendung
ihres Lebens in die Herrlichkeit des
Himmels aufgenommen. Auch wir sind zur Vollendung bei Gott im ewigen Leben
berufen. Mariens mütterliche Fürbitte geleitet uns und schenkt uns stets neue
Hoffnung und Zuversicht.
Zum Abschluss dieser Betrachtungen bitten wir Gott: So wie sich die
Leiden der Gottesmutter in ewige Freude
gewandelt haben, mögen auch wir einst teilhaben dürfen an der himmlischen
Herrlichkeit! Amen.
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Predigten von Dr. Josef Spindelböck
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