Kaplan Dr. Josef Spindelböck, Ybbs an der Donau

Predigt am Fest der Taufe des Herrn
(11. Januar 1998, Lesejahr C)

 

L 1: Jes 42,5a.1-4.6-7 oder Jes 40,1-5.9-11;
L 2: Apg 10,34-38 oder Tit 2,11-14;3,4-7; Ev: Lk 3,15-16.21-22

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

Mit dem heutigen Fest der "Taufe des Herrn" schließt der weihnachtliche Festkreis. Das Geheimnis dieses Tages beinhaltet die Taufe Jesu am Jordan, mit der er sein öffentliches Wirken beginnt.

Vielleicht sind wir etwas erstaunt, daß dieser Festinhalt der Taufe Jesu noch zum Weihnachtskreis gehört. Jesus war ja kein kleines Kind mehr, als er von Johannes getauft wurde, sondern immerhin ein Mann von etwas dreißig Jahren. Und dennoch: In diesem Geheimnis geschieht "Erscheinung des Herrn".

Die Taufe des Johannes war noch keine christliche Taufe, die erst Jesus eingesetzt hat, sondern eine Bußtaufe. Zum Zeichen der Umkehr und der Versöhnung ließen sich die Menschen von Johannes im Jordan taufen. Sie bereuten ihre Sünden und wollten ein neues Leben beginnen. Jesus hatte das natürlich nicht nötig: Er ist ja der ewige Sohn Gottes, der als Mensch in allem uns gleich geworden ist außer der Sünde.

Wieso wollte Jesus Christus, der Sündenlose, dann die Taufe durch Johannes empfangen?

Zum einen wollte Jesus uns zeigen, daß er sich ganz bewußt in die Reihe der Sünder stellt. Er wollte stellvertretend für uns die Schuld der Menschheit auf sich nehmen und wiedergutmachen durch sein Leiden und Sterben am Kreuz.

Zweitens hat Jesus durch sein Getauftwerden im Jordan (Johannes tauchte ihn im Wasser unter) das Element des Wassers geheilgt. So wurde die christliche Taufe auf den Namen des dreifaltigen Gottes vorbereitet. Das Wasser wird durch Jesus zum lebensspendenden Quell der Gnade Gottes.

Drittens, und das ist der hauptsächliche Inhalt dieses Festes, ist Jesus bei seiner Taufe von seinem himmlischen Vater als Sohn Gottes öffentlich beglaubigt worden. Als Jesus nämlich von Johannes getauft wurde, da öffnete sich der Himmel, und der Heilige Geist kam in Gestalt einer Taube sichtbar auf Jesus herab. Dazu ertönte eine Stimme: "Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden."

So offenbart sich im Geschehen der Taufe Jesu am Jordan der dreifaltige Gott in seiner großen Liebe zu uns: Jesus, der Sohn Gottes, wird durch den himmlischen Vater im Heiligen Geist gesalbt und feierlich als Messias eingesetzt. Dies ist nicht ontologisch (d.h. seinsmäßig) zu verstehen – so als ob Jesus vorher noch nicht der Sohn Gottes oder der Messias gewesen wäre, wie manche Sekten behauptet haben. Sondern hier geschieht "Epiphanie", das heißt Offenbarung, Zutagetreten, Erscheinung dessen, was immer schon war. Hier wird der ewige Sohn Gottes in seiner Menschheit den Menschen als Messias vorgestellt. Auf ihn sollen sie hören!

Wie verhält es sich hingegen mit unserer Taufe? Dort geschieht wirklich und ursprünglich, daß wir durch die Taufe im Wasser und im heiligen Geist erst zu Kindern Gottes werden, zu "Söhnen im Sohn". Wir werden von Gott angenommen als seine geliebten Kinder und mit der heiligmachenden Gnade erfüllt. So erhalten wir Anteil am göttlichen Leben.

Dies Annahme an Kindes Statt ist möglich nur kraft der erlösenden Liebe des Sohnes Gottes, die sich in Kreuz und Auferstehung offenbart hat. So heißen wir nicht nur Kinder Gottes, sondern sind es! Der Heilige Geist wird ausgegossen über uns, ja wird uns sogar ins Herz gegeben. Die Liebe Gottes erfüllt uns, die wir in unserem Leben üben sollen.

Machtvoll leuchtet uns also an diesem Fest die Herrlichkeit des Herrn auf, der zu uns gekommen ist, um uns von unseren Sünden zu erlösen und das ewige Leben neu zu schenken. Halten wir an der Herrlichkeit des Geschenkes der Erlösung gläubig fest, gerade auch im neuen Jahr. Niemand weiß, was wir alles an Gutem oder Schlechtem erfahren werden. Doch überall ist uns Gottes Liebe nahe. Auch in dunklen Stunden soll uns im Glauben noch eine Ahnung von der göttlichen Liebe bleiben. Und einmal wird der Glaube übergehen in Schauen: Wenn uns Gott zu sich ruft und wir vor dem Richterstuhl Christi erscheinen müssen, möge uns der Herr dann wachend finden, um uns das ewige Leben zu schenken! Amen.



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